FFHH 2018: Vera Köppern und Carlo Phillip Thomsen: Muntjac*

(Bild: Frank Busch)

Muntjac oder Was ich von einem Wal, einem Reh und einem Hyänenrudel
gelernt habe,

Kapitel 1: Kasatka ​

Der erste Teil einer Reihe von Untersuchungen.

Das Stück untersucht die Begegnung eines Orca-Wals mit einem Trainer und fragt nach (unseren) tierischen Intelligenzen, Empathie, Aggression, (Un)Abhängigkeit und Selbstkontrolle.

Tanz: Vera Köppern
Musik: Carlo Phillip Thomsen

Im Rahmen des FFHH – Zeitgenössisches Flamenco Festival Hamburg
ACCESO Flamenco

Eintritt: Spende // „Pay after show“

Inhalt:

Mensch und Tier. Human und animalisch. Der Mensch, das weitsichtige, intelligente
Lebewesen, fähig zu Reflexion, zu bedachter Entscheidung. Andererseits das Tier,
triebgesteuert, basal in seinen Bedürfnissen, ausgerichtet auf Fressen und
Gefressen werden. Ist es das?

Der Mensch ist zuallererst einmal selbst ein Tier. Wir sind mit unseren
Primaten-Kollegen näher verwandt als der indische mit dem afrikanischen
Elefanten. Dass der Mensch sich dennoch ausklammert aus dem Tierreich hat
vielleicht vor allem einen Grund: Wir fühlen uns außen vor. Tiere scheinen sich auf
eine Weise in der Welt zu bewegen, die uns Menschen fremd ist. Sie wirken
verbunden, eins mit ihrer Umgebung. Je genauer wir hinsehen, desto mehr
Erstaunliches entdecken wir, komplexe soziale Strukturen, Altruismus, gleichsam
‚übersinnliche’ Kommunikationsmöglichkeiten; Formen von Intelligenz, die dem
Menschen so fremd geworden sind, dass er sie kaum begreifen kann. Und dann
müssen wir zugeben, dass die Mär vom tumben Tier nicht der Realität entspricht.
Vielleicht ist Tiersein, unseres und das der anderen Tiere, gar nicht vordergründig
roh, primitiv oder rau, sondern vor allem ein intelligentes, harmonisches, sanftes
In-der-Welt-Sein. Und vielleicht müssen wir gar nicht außen vor sein.
Muntjac oder Was ich von einem Wal, einem Reh und einem Hyänenrudel gelernt habe
untersucht die verschiedenen Komponenten tierischer Intelligenz und deren
Auswirkung auf das Verhalten und Erleben. Was können wir vom (eigenen) Tiersein
lernen? Was für Intelligenzen lagern ungebraucht in unseren Tierkörpern? Was
machen Intuition und spontaner Wille mit unserem Handeln?
Flamenco wird, wie das Animalische, oft als wild, rau oder gar roh wahrgenommen.
Natürlich ist er das, und genauso wenig wie das Animalische ist er es ausschließlich.
Er bietet komplexe Möglichkeiten der Kommunikation, kann sanft sein, intuitiv,
kann Verbindungen herstellen. Flamenco ist also potentiell all das, was ein
Tierkörper sein könnte. Gleichzeitig ist er eine Form, die nicht direkt und selten
sanft nach Kontakt mit anderen Körpern oder dem Raum sucht, eine Form, die
strenge strukturelle Regeln aufweist. Flamenco trainiert, drillt, domestiziert den
Körper. Ist der Flamenco vielleicht wie das menschliche Tier?

Muntjac oder Was ich von einem Wal,
einem Reh und einem Hyänenrudel
gelernt habe, Kapitel 1: Kasatka ​ i ​ st der
erste Teil einer Reihe von
Untersuchungen.

Kasatka, ein Orca-Wal, führt bei einer Seaworld-Show den Befehl ihres Trainers aus.
Es kommt zu einem Missverständnis zwischen ihr und dem Trainer, sie wird für
ihren Einsatz nicht belohnt. Der Trainer springt für einen nächsten Trick ins
Wasser. Kasatka greift ihn am Fuß und zieht ihn unter Wasser. Hält ihn am Grund
des Beckens, bis er beinahe erstickt. Bringt ihn zurück an die Oberfläche, lässt ihn
durchatmen. Zieht ihn wieder hinab. Lässt ihn wieder nach oben, durchatmen, zieht
ihn wieder hinunter. Hält ihn immer genau so lange unter Wasser, dass er gerade
nicht erstickt. Die ganze Zeit über wirkt Kasatka ganz ruhig. Ihr Trainer streichelt
sie, wenn die beiden an der Oberfläche sind. Nach mehreren Malen lässt sie von ihm
ab. Der Trainer kommt mit einer leichten Verletzung am Fuß davon. Kasatka ist ein
Orca, ein Killerwal, Angehörige einer Walart, die ohne Weiteres einen weißen Hai
töten kann. Kasatka lebt in keinesfalls artgerechter Gefangenschaft, ist ein
hochpotentes, traumatisiertes Raubtier und sie ist in einer Situation maximaler
Frustration. Kasatka tötet ihren Trainer nicht.

Kapitel 1: Kasatka ​ beschäftigt sich mit der Frage: Warum tötet Kasatka ihren
Trainer nicht?
So untersucht dieser erste Teil von ​ Muntjac ​ ​ die Qualitäten tierischer Aggression
und deren Unterschiede zur menschlichen, untersucht Empathie,
Impulshandlungen, (Un)Abhängigkeit und Selbstkontrolle im Zusammenhang mit
dem Tierkörper.

vera

Das Stück ist eine Kollaboration der Tänzerin und Choreographin Vera

Köppern und dem Film- und Theaterkomponisten und -musiker Carlo Philipp
Thomsen. Carlo schafft und forscht mit seinen selbst entworfenen
Software-Instrumenten, Vera auf Basis ihres (Flamenco-)Körpers. Die beiden
arbeiten in diesem Prozess unter anderem mit den Komponenten der
Zeitgenössischen Improvisation als Reflexionsmedium.

 

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